Kurzgeschichte


Die letzte Träne:

Ich sehe dem Tropfen dabei zu, wie er schnell meinen Finger hinabläuft und eine feuchte, salzige Spur hinterlässt. Auf meiner Wange ist die Feuchtigkeit längst getrocknet und klebt jetzt, wenn ich mit dem Finger drüber fahre. Erstaunt merke ich, dass der endlose Wasserfall endlich versiegt ist. War das die letzte Träne gewesen? Hatte ich es endlich geschafft meine Gefühle in der hintersten Schublade meines Herzens zu verstecken, einzusperren? In einem Safe mit Code und mit dicken Schlössern und Burggraben voller Schlange davor? Aber warum bin ich dann nicht glücklich darüber? Warum finde ich nicht die Kraft um mich aus meiner dunkeln Ecke hochzustemmen? Warum setze ich nicht einen festen Schritt nach dem anderem? Warum wasche ich mir nicht die Tränen ab und überschminke die Spuren, die sie hinterlassen hatten? Warum setze ich kein Lächeln auf um ihm zu zeigen, dass es jetzt endgültig vorbei ist? Warum zeige ich ihm nicht, dass das Spiel vorbei ist? Warum lebe ich nicht weiter? Warum brülle ich nicht in die Welt hinaus, dass das die letzte Träne war?

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